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Zwischen Fahrdienst, Wäschebergen und Familienbett – wo bleiben wir eigentlich als Paar?

  • vor 22 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit




Ein typisches Beispiel was wir von unseren Paaren zu hören bekommen:

Montag, 17.30 Uhr. Ein Kind muss noch zum Fußball, das andere braucht Hilfe bei den Hausaufgaben und das dritte findet, dass mit vierzehn sowieso niemand mehr das Recht hat, sich in sein Leben einzumischen. In der Küche wartet das Abendessen, die Waschmaschine piepst und morgen soll bitte noch jemand an den Kuchen für die Schule denken.

Dann kommt der Partner von der Arbeit nach Hause. Müde. Vielleicht mit dem Wunsch, erst einmal seine Ruhe zu haben, landet er auf dem Sofa mit dem Handy und muss erst mal chillen!

Und die Partnerin denkt: Dein Ernst? Ich würde auch gerne einmal zehn Minuten meine Ruhe haben.

Willkommen im ganz normalen Familienalltag.

Natürlich können die Rollen auch anders verteilt sein. Entscheidend ist etwas anderes: Beide haben viel geleistet, beide sind erschöpft – und jeder sieht irgendwann vor allem noch die eigene Belastung.


Da ist die Erwerbsarbeit, die Kraft und Zeit kostet. Gleichzeitig gibt es die Care-Arbeit! Dieser Mental Load ist von außen kaum sichtbar. Und irgendwann beginnen Paare, ihre Belastungen gegeneinander aufzurechnen.


„Ich war den ganzen Tag arbeiten.“

„Und was glaubst du, was ich gemacht habe?“ ich arbeite im Homeoffice, nebenbei die Kids!“


„Ich kann doch auch nicht alles machen.“


„Aber ich muss dir immer erst sagen, was zu tun ist.“


Sehr schnell geht es gar nicht mehr um die Spülmaschine oder den Fahrdienst. Dahinter steckt oft eine ganz andere Frage:


Siehst du eigentlich, was ich jeden Tag leiste?

Aus Liebenden werden Kollegen im Familienunternehmen

Familien mit mehreren Kindern leisten logistisch Erstaunliches. Termine, Schule, Hobbys, Freunde und vielleicht schon die erste Pubertät – Familienleben ist manchmal echtes Projektmanagement.

Nur macht ein perfekt organisierter Familienkalender noch keine glückliche Paarbeziehung.

Wenn sich Gespräche fast ausschließlich darum drehen, wer welches Kind wann wohin bringt und was noch erledigt werden muss, wird aus dem Liebespaar irgendwann ein ziemlich effizientes Arbeitsteam.

Und Arbeitsteams küssen sich eher selten in der Küche.

Oft fehlt nicht die Liebe. Es fehlt der Raum, in dem sie noch stattfinden kann.

Manchmal sogar ganz wortwörtlich.

In vielen Familien schlafen Kinder im Elternbett – zeitweise oder über einen längeren Zeitraum. Oder ein Elternteil wandert irgendwann ins Kinderzimmer aus, weil dort jemand nicht alleine schlafen kann, nachts immer wieder wach wird oder weil schlicht alle dringend Schlaf brauchen.

Daran ist zunächst nichts falsch. Jede Familie muss herausfinden, was für sie funktioniert.


Aber irgendwann lohnt sich die ehrliche Frage: Funktioniert es auch noch für uns als Paar?

Wenn einer seit Monaten im Kinderzimmer schläft, jeden Abend ein Kind zwischen den Partnern liegt oder das gemeinsame Schlafzimmer selbstverständlich zum Familienraum geworden ist, kann etwas verloren gehen, ohne dass man es bewusst entschieden hat: ein geschützter Raum für Zweisamkeit, Gespräche, Berührung und Sexualität.

Nicht jedes Kind muss deshalb sofort aus dem Elternbett ausziehen. Aber das Paar darf darüber sprechen, wie es neben dem Elternsein auch körperlich wieder Raum füreinander schaffen kann.


Wenn beide nur noch funktionieren

Erschöpfung macht dünnhäutig. Der eine kommt nach Hause und braucht Rückzug. Die andere erlebt genau diesen Rückzug als: „Jetzt bleibe ich schon wieder mit allem alleine.“

Sie reagiert gereizt. Er hört Kritik und denkt: „Egal, was ich mache, es ist sowieso nie genug.“ Also zieht er sich noch mehr zurück.

Schon sind beide in einem Kreislauf, in dem keiner bekommt, was er eigentlich braucht.

Vielleicht würde sie gerne sagen: Ich bin völlig erschöpft und brauche dich gerade an meiner Seite.“

Und er vielleicht: „Ich bin auch am Ende. Gib mir zehn Minuten zum Ankommen, dann übernehme ich.“

Das klingt völlig anders als Vorwurf und Verteidigung.


Und irgendwo dazwischen gibt es noch euch

Eine der größten Fallen im Familienleben lautet: „Wenn es wieder ruhiger wird, kümmern wir uns um uns.“

Aber wann genau soll das sein?

Nach der Grundschule kommt die weiterführende Schule. Aus Kinderturnen werden Fußballtraining, Musikschule und Freunde. Und irgendwann sitzt ein Teenager am Küchentisch, der überzeugt davon ist, dass seine Eltern grundsätzlich keine Ahnung vom Leben haben.

Familie wird nicht plötzlich fertig.

Deshalb braucht Beziehung ihren Platz mitten in diesem unperfekten Leben.


5 kleine Ideen für mehr Paar im Familienalltag

1. Macht sichtbar, was jeder von euch trägt. Setzt euch einmal zusammen und schaut auf eine ganz normale Woche: Erwerbsarbeit, Haushalt, Kinder, Fahrdienste und Mental Load. Nicht um auszurechnen, wer mehr leistet, sondern um die Welt des anderen besser zu verstehen.


2. Schafft einen Raum, der wieder euch gehört. Wenn Kinder regelmäßig bei euch schlafen oder einer von euch ins Kinderzimmer ausgewandert ist, sprecht darüber. Passt es für euch beide noch? Wenn ihr die Schlafsituation nicht verändern möchtet oder könnt, schafft euch bewusst andere Zeiten und Orte für Zweisamkeit. Nähe braucht einen Raum, in dem nicht jederzeit jemand „Mama!“ oder „Papa!“ ruft.


3. Vereinbart Feierabend – für beide. Nicht nur Erwerbsarbeit braucht ein Ende, auch Care-Arbeit. Vielleicht bekommt einer nach dem Heimkommen zehn Minuten zum Ankommen und danach der andere eine halbe Stunde wirklich frei. Findet eine faire Regelung,


4. Hört auf, auf das perfekte Date zu warten. Paarzeit kann ein Kaffee am Morgen sein, zwanzig Minuten auf dem Balkon, ein gemeinsamer Spaziergang oder abends noch zusammensitzen, wenn die Kinder in ihren Zimmern sind. Wichtig ist weniger die Dauer als die Botschaft: Jetzt gibt es kurz nur uns.


5. Seid zwischendurch wieder Liebespaar. Küsst euch in der Küche. Umarmt euch, wenn einer nach Hause kommt. Schreibt euch eine Nachricht, in der es ausnahmsweise nicht um Milch, Fußballtraining oder Abholzeiten geht. Flirtet miteinander. Berührt euch. Und schafft auch für Sexualität wieder Möglichkeiten, wenn sie euch fehlt. Sie muss nicht spontan entstehen – manchmal darf Paarzeit sogar verabredet werden.

Eure Kinder dürfen wichtig sein. Eure Arbeit darf wichtig sein. Und manchmal darf sogar der Wäscheberg wichtig sein, weil morgen früh tatsächlich keine sauberen Socken mehr da sind.

Aber irgendwo zwischen Brotdosen, Arbeit, Elternabend, Fußballtraining, Pubertätsdrama, Familienbett und Spülmaschine gibt es immer noch zwei Menschen, die sich einmal füreinander entschieden haben.



 

 

 
 
 

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